Ist die Kritik an Corporate Social Resposibility gerechtfertigt? Wohin führen uns die Diskussionen?

Es ist egal wo man zuhört, die Diskussionen um Corporate Social Responsibility enden immer mit Kritik an diesem Model. Was ist CSR eigentlich? Hier eine kleine Erklärung für die unter uns die neu im Feld sind. Laut dem Internetportal Investopedia ist CSR auf folgende Art und Weise definiert:

„Corporate initiative to assess and take responsibility for the company’s effects on the environment and impact on social welfare. The term generally applies to company efforts that go beyond what may be required by regulators or environmental protection groups“

Ließt man die Definition fragt man sich doch zu erst was daran schlecht sein soll? Der Hauptkritikpunkt an CSR dürfte wohl sein, dass CSR strategisch benutzt wird um das Unternehmensimage nachhaltig zu verbessern. Dabei werden die CSR-Aktionen lediglich zum Selbstzweck genutzt ohne das ein tieferes soziales Interesse seitens der Unternehmen besteht. Damit stimme ich völlig überein. Darüber hinaus halte ich die Diskussionen über CSR für hinfällig. CSR muss viel mehr als PR-Aktion verstanden werden. Es ist nicht neu, dass Unternehmen vorrangig ihre eigenen Interessen verfolgen. Was sind diese Interessen? Gewinne machen, Marktanteile sichern/ausbauen, neue Produkte auf den Markt bringen, kurz gesagt: das Bestehen sichern! Bleibt dort dann Zeit für CSR? Vermutlich nicht viel. Mein Argument ist, dass dies unter bestimmten Voraussetzungen auch gar nicht so schlimm ist und CSR teilweise in seiner Existenz überflüssig werden kann. Warum, wird folglich erläutert. Grundlage meines Arguments ist der zweite Teil der Definition, welcher nun seziert werden muss.

„Company efforts that go beyond what may be required by regulators or environmental protection groups“

CSR bezeichnet also alles was über die gesetzten Regularien hinaus geht. Tut mir leid, aber dies ist doch ein Armutszeugnis an die Politik. Hält sich ein Unternehmen an die gesetzlichen Regeln, ist es per se noch schlecht und braucht nun CSR Aktionen um „Greenwash“ zu betreiben, wobei oft die Marketingmaßnahmen der Aktion in Wert den geschaffenen Nutzen oft um ein vielfaches übersteigen. Da ist doch der Wurm drin? Interessant ist dabei der Zusammenhang zwischen Gesetzen und Moral. Was noch legal sein kann ist schon unmoralisch. Doch warum gleicht man diese Lücke nicht an? Ich denke viele Bürger würden dies begrüßen. Widersprüchlich ist, dass tatsächlich durch CSR diese Lücke bestehen bleiben kann. Durch gewisse CSR-Aktionen suggeriert man dem Staat seine soziale Verantwortung, obwohl diese nicht der tatsächlichen „common practise“ des Unternehmens entspricht. Der Staat welcher ohnehin schon Verantwortung an die Unternehmen abgibt, wiegt sich in Sicherheit und konzentriert sich auf andere Dinge. Falsch: Der Staat muss Rahmenbedingungen schaffen, sodass Stimmen nach CSR gar nicht erst aufkommen, weil Unternehmen folglich sich dann in einem Rahmen bewegen, wo Gesetzt der Moral gleichgestellt ist. Abschließend kann ich sagen, dass wir die Unternehmen nicht für ihr CSR kritisieren sollten. Es ist löblich, zusätzlich zu den vorherrschenden Regularien einen positiven Beitrag an der Gesellschaft zu leisten. Über die Aufrichtigkeit lässt sich streiten, aber wäre es euch lieber wenn diese Unternehmen keinen Beitrag leisten? Gerade wir in Deutschland, Vorreiter in Umweltschutz und Arbeitsrecht haben die Chance durch die Politik die hier ansässigen Unternehmen zu Vorzeigeunternehmen zu erziehen, sodass das in den Vordergrund gedrängte CSR wieder ein wenig aus dem Fokus rückt.

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4 Kommentare zu “Ist die Kritik an Corporate Social Resposibility gerechtfertigt? Wohin führen uns die Diskussionen?

  1. Wieso der Politik die Aufgabe geben, durch rechtliche Bestimmungen CSR in den Hintergrund zu drängen? Klassisches Ziel eines Unternehmens ist die Gewinnmaximierung. Wenn dann noch Zeit und Geld für mehr bleibt, ist das ja wunderbar.
    Aber wenn eben nicht – wieso sollten dann noch engere Rahmenbedingungen den Weg zum Ziel erschweren oder gar unmöglich machen? Es gibt doch bereits genügend Hürden, die ein deutscher Unternehmer zu nehmen hat?!
    Ich halte jedoch auch die Aussage für fragwürdig, dass CSR in seiner Exitenz durch vorgeschlagene rechtlichen Bestimmungen überflüssig werden würde: Es wird wohl immer Unternehmen geben, die „mehr“ machen möchten, als es Gesetze vorgeben könnten (egal ob aus Überzeugung oder wegen der positiven Presse).
    Ob man nun CSR „benutzt“, um beispielsweise sein Image zu verbessern oder zu pflegen, um seinen Bekanntheitsgrad in unserer immer grüner werdenden Gesellschaft zu steigern und letztendlich daraus schlussfolgernd seinen Umsatz zu erhöhen oder ob es tatsächlich aus Überzeugung der Unternehmer oder Mitarbeiter geschieht, ist doch am Ende egal.
    Ergebnisorientiert gesehen verbessern sozial engagierte Unternehmen mit ihrem Beitrag die Welt um ein kleines bisschen. Egal welche Motivation dahintersteht.
    Die Maßnahme diese verschiedenen Motivationen durch Gesetze zu ersetzen bzw dadurch einen verpflichtenden Rahmen zu schaffen, eignet sich meines Erachtens nicht als Lösung für genannte Probleme (die laut meiner Logik ja garkeine sind…), sondern würde es der Wirtschaft lediglich schwerer machen….

  2. Hallo Georgia,

    vielen Dank für deinen Kommentar und für deine Meinung über das Thema. Ich denke die Diskussion dreht sich darum, welchen Akteuren man in unserer Gesellschaft soziale Verantwortung übertragen will. Hierzu möchte ich zunächst auf folgende Studie hinweisen: “Corporate Social Responsibility of the Most Highly Reputed European and North American Firms”. Diese Studie arbeitet heraus, dass Nordamerikanische Unternehmen generell aktiver im CSR-Bereich sind als Europäische. Vergleich man die politischen Systeme der Kontinente fällt auf, das in Europa, insbesondere in Deutschland, der Staat mehr soziale Verantwortung übernimmt. Mein Argument ist lediglich, dem Staat möglichst viel soziale Verantwortung zu übertragen. Dies hat zweierlei Gründe. Die Politik denkt in der Regel an die Allgemeinheit und daran was gut ist für die ganze Gesellschaft (Abgesehen von leider immer wiederkehrender Klientel Politik). Der zweite Punkt ist die Transparenz. Wir wissen was unser Staat macht. Jeder kann sich informieren und durch verschiedenste Institutionen mit gestalten in welche Richtung unser Staat geht. Bei Unternehmen, welche oft ein geschlossenes System sind, können wir froh sein wenn wir auf der Unternehmenswebsite Informationen über die Unternehmenspolitik bekommen. Ich hoffe dies beantwortet deine erste Frage?

    Meine Meinung ist, dass gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen für die Gesellschaft den meisten Nutzen bringen, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, Jobs schaffen und Steuern bezahlen. Mit Rahmenbedingungen meine ich weiß Gott nicht bürokratische Hürden, welcher ein deutscher Unternehmer nehmen muss. Es geht z.B. um Umweltauflagen, welche in der Tat kurzfristig die Praxis der Unternehmen einschränken, aber uns langfristig als Gesellschaft voran bringen. Man denke an den Atomausstieg. Natürlich macht das EON und Co. das Leben schwer, letztendlich ist es jedoch eine Frage in was für einer Gesellschaft du leben willst?

    Ich gebe dir leider nicht Recht mit der Aussage, das es immer mehr Unternehmen geben wird, die „mehr“ Dinge machen wollen, als vom Gesetz vorgeschrieben. Dies widerspricht der Gewinnmaximierung. Bitte verstehe mich nicht falsch, solange Unternehmen die Lücke zwischen Moral und Gesetz schließen ist das eine tolle Sache und CSR ist per se nicht Schlechtes. Ich halte es jedenfalls nicht für eine aufrichtige Praxis CSR als PR-Aktion durchzuführen (Auch wenn man es als solches verstehen muss).

    In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Diskussionen zu diesem Thema. Hier im Blog, im Café Geschmacklos oder wo auch immer!

    Viele Grüße

    Max

  3. I love the way you keep your written content interesting by asking questions and then offering the readers your own opinion.

    A bit of a long post, which can be tiering to read, but your good quality content makes that up. Really professional writing!

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