Nicht jeder kann seinen Traumjob finden, oder doch?

Gestern, nach dem Vortrag von Beate Westphal, kam die Diskussion auf, ob jeder – sagen wir mal Deutsche – seinen Traujob finden kann oder ob der Traumjob für einen Großteil der Deutschen nicht doch nur reine Illusion ist.

Frau Westphal, Gründerin des Talentcafés, vertrat dabei die Meinung, dass es für jeden Menschen möglich sei, eine gesunde Balance zwischen dem, was er gerne tut und seinem beruflichen Alltag zu finden. Ihr Hauptargument war, dass man einen Großteil seiner Zeit sowie mit Dingen verbringt, die mit dem Beruf nichts zu tun haben.

Aber ist das so? Stimmt es, dass wir mehr Zeit für unsere tatsächlichen Interessen finden als für die Arbeit?
Und wenn nicht, wie wichtig ist es dann, dass uns der Beruf erfüllt?

Dabei stellt sich zunächst einmal die Frage, wann erfüllt uns ein Job?
Ich finde die folgenden Kriterien von Susann Just, ziemlich treffend:

1.     Wir wollen erfolgreich werden.
2.     Der Beruf sollte aussichtsreich und anspruchsvoll sein.
3.     Das Geld sollte auch stimmen.
4.     Die Arbeit muss Spaß machen.
5.     Es soll Zeit für Familie und Freizeit bleiben.

Es ist offensichtlich, dass wir kaum einen Job finden werden, der alle Kriterien erfüllt.
Aber müssen wir uns deshalb von unserem Traumjob verabschieden?
Svenja Hofert von „Karriere & Entwicklung”, schreibt auf XING, dass wir auf den Boden der Tatsachen zurück kommen müssen:

„Meine These ist, dass die derzeitige, von amerikanischem Denken geprägte Bewerbungsliteratur, viele Bewerber auf eine falsche Denk-Fährte bringt. So schlage ich bisweilen die Hände über den Kopf zusammen, wenn ein Kandidat nach ein, zwei Jahren Suche endlich, durch eine geänderte Strategie etwas Adäquates gefunden hat – und dann doch wieder nicht zufrieden ist und nach drei Monaten das Handtuch schmeißt. […]”

Aber woher kommt die Unzufriedenheit? Sind die Erwartungen zu hoch oder schlicht weg falsch?
Fakt ist, dass sich viele Arbeitssuchende auf wenige, bestimmte Traumberufe festlegen und diese kaum für alle reichen können. Gabriele Ritter von der Berufberatung Arbeitsagentur in Mannheim wird auf morgenweb.de zitiert:

„[…] Fast ein Drittel der Bewerber konzentrieren sich auf nur fünf Wunschberufe: Bürokaufmann, Kaufmann, Verkäufer, medizinischer Fachangestellter und – immer wieder in den Top-Fünf – der Kfz-Mechatroniker. Dabei haben wir in 245 verschiedenen Berufen Lehrstellen angeboten.“

Sollten wir uns also eher lösen von dem Wunsch, den Traumjob zu finden und uns stattdessen mit den vorhandenen Berufen arrangieren? Oder ist es so, wie Frau Westphal gestern andeutete, dass sich das Bild der klassischen Arbeit verändert und wir uns verstärkt darauf konzentrieren müssen, was uns wirklich interessiert?

Und was wird aus den Jobs, die keiner machen will, die aber dennoch benötigt werden?

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6 Kommentare zu “Nicht jeder kann seinen Traumjob finden, oder doch?

  1. Hi Franzi,
    den Traumjob zu finden, ist verdammt schwierig. Ich kann nur von mir persönlich reden, aber wenn ich an meine letzte Anstellung zurück denke und da war ich immerhin 5 Jahre inkl. Ausbildung, muss ich sagen, bin ich froh, dass ich da weg bin und mich für das Studium entschieden hab. Vor allem der Spaß hat gefehlt und eine gesunde Arbeitsatmossphäre iste denke ich aus sehr wichtig. Wenn man jeden morgen aufsteht und denkt man würde am liebsten zu Hause bleiben, ist das nicht wirklich die Erfüllung.
    Ich würde sogar weniger Geld in Kauf nehmen, wenn mir die Arbeit Spaß machen würde und das Arbeitklima gut ist. Man ist wesentlich zufriedener im Leben, wenn man sich wohlfühlt und man nicht auf Druck den bestbezahltesten Job machen will/muss.

  2. hey Franzi,

    immer wieder ziehe ich den Hut vor Leuten, die Jobs machen, die sonst keiner machen will. Würde es diese Leute nicht geben dann würde unsere Gesellschaft auch nicht funktionieren. Doch Präferenzen sind ja glücklicherweise verschieden. Und manche Menschen gehen in Jobs, die ich nie machen würde, total auf. Ich finde den Traumjob finden schon von daher schwer, weil sich Interessen und Neigungen bei mir ständig wechseln. Sollte ich mir dann jedesmal einen neuen Job suchen? Außerdem glaube ich nicht, dass wenn man den richtigen Job gefunden hat, oder ihn selbst geschaffen hat, dann immer die von Susan Just genannten Kriterien zutreffen. Eingeständisse muss man halt doch machen.

  3. Ich halte an dem Gedanken fest – irgendwann meinen Traumjob zu finden. Ich kann ihn vielleicht jetzt noch nicht in Worte fassen, aber ich weiß, dass das Ziel erreicht ist – wenn ich im Job glücklich und gefragt bin. Natürlich spielt das Geld auch eine Rolle, aber die Zufriedenheit mit etwas sinnvollem und brauchbarem zu erreichen ist mir viel wichtiger….

    Allerdings glaube ich das jeder Mensch im Bezug auf die Arbeit anders eingestellt ist. Dadurch entstehen die Interessen unterschiedlicher Berufe – und es gibt diejenigen die sich wegen ihre geringe Bildung oder dem Vorleben der Eltern überhaupt nicht trauen Ansprüche zu stellen, da steht wohl Geld verdienen an erster Stelle, egal wie!

  4. Hallo Leute,

    Was ist eigentlich ein Traumjob? Eigentlich wäre ein Traumjob wirklich ein Traumjob wenn er die fünf oben aufgeführten Kriterien erfüllt. Aber wie schon gesagt gibt es nicht viele Jobs, welche diese Kriterien erfüllen. Wie Frau Westphal in ihrem Vortrag gesagt hat, sind 80% der Deutschen mit ihrem Job unzufrieden. Franzi hat die Frage gestellt woher dieses Unzufriedenheit kommt?

    Ich sehe die Problematik darin, dass uns heutzutage ein Bild geliefert wird wie ein Traumjob auszusehen hat. Natürlich fangen wir an irgendwann an dieses Bild zu glauben, was letztendlich zu vielen Enttäuschungen führen wird, sobald wir mit der Realität konfrontiert werden. Wir werden sozusagen dazu erzogen möglichst viel Zufriedenheit aus unserem Job zu ziehen, um eine möglichst gute Leistung zu erbringen. Ich denke wir müssen langsam wieder umdenken und einen Job nur als Job sehen. Des Weiteren müssen wir dann versuchen Zufriedenheit aus anderen Bereichen des Lebens zu sehen. Wir sollten uns verschiedene Säulen im Leben aufbauen (Freunde, Hobbys, Job) sodass wir beim Wegfall der „Säule Job“ nicht in große Unzufriedenheit verfallen.

    Für ein weiteres Problem halte ich, dass viele Leute denken, sie haben vom ersten Tag an ihren Traumjob. Ich denke das ist ein Trugschluss. Wir gestalten unseren Job oft mit. Wenn wir unsere Persönlichkeit mit einbringen und flexibel bleiben, werden sich auch oft unsere Aufgaben ändern und wir werden mehr und mehr Dinge gemäß unserer Neigung machen, was zu mehr Zufriedenheit führen kann.

    Ich kann somit jedem nur raten die Erwartungen zurück zu schrauben und einfach mal Dinge auf sich zu kommen zu lassen, um einer großen Enttäuschung aus dem Weg zu gehen.

    In diesem Sinne

    Liebe Grüße

    Der Max

  5. I think that everybody is responsible for him-/herself and this includes finding a job where one is satisfied. Of course it’s not easy! But what is easy in life? Isn’t our life the easiest imaginable compared to the life of others in other countries?

    That’s why I think entrepreneurship is so interesting! We are lucky enough to live in a country where almost anything is possible, because the resources are available for all of us, regardless of the amount of money available at the moment. We are all able to bootstrap our business and make it work. And we are all able to get educated. It’s just amazing and I think that people should stop complaining about their work and search for a new one if they are unhappy. And if they can’t find one, then create one! Work independently, or found your own company, or be creative and find other ways to attain revenue.

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