Aufbau eines sozialen Projekts – Ein Bericht aus der Praxis

In meinem letzten Artikel habe ich Euch unser Projekt Sadiya International e. V. vorgestellt. Heute erzähle ich Euch welche Probleme uns gegenüberstanden und wie viel Aufwand nötig war, um da anzukommen, wo wir jetzt sind und wir befinden uns ja immer noch im Aufbau.

Nachdem sich das Gründungsteam im Sommer 2011 zusammengefunden hatte und ein erstes Konzept erstellt wurde, war allen noch nicht bewusst wie viel Arbeit auf uns zukommt, nur um erstmal eine passende Rechtsform zu finden und diese dann behördlich anerkennen zu lassen.

Nach einigen Überlegungen und der Beratung einer befreundeten Jura-Studentin haben wir uns dann für einen Verein entschieden.

Eigentlich war die Mehrheit für eine Stiftung, jedoch scheiterte dies an einem benötigten Startkapital von min. 25.000 Euro. Diese sind im Stiftungsgesetz zwar nicht vorgesehen, allerdings fordert das Finanzamt einen entsprechenden Betrag um eine Stiftung, die ja steuerbegünstigt ist, zu genehmigen.

Wir wählten einen Vorstand und stellten eine Satzung auf. Um einen Verein zu gründen werden 7 Gründungsmitglieder benötigt. Wir waren zu dieser Zeit 8 Personen und konnten diesen Teil also locker bewältigen. Leider schieden kurz vor Unterschrift noch zwei Personen aus und somit erfüllten wir plötzlich nicht mehr die vorgegebenen Statuten.

Schnell wurde dann ein neues Mitglied gefunden. Es handelt sich dabei um meine Mutter, dafür noch mal vielen Dank Mami!!

Natürlich sollte der gegründete Verein auch ins Vereinsregister eingetragen werden. Dazu muss man die Satzung vom Notar beglaubigen lassen. Dies und der Vorgang des Eintragens kostet Geld. Somit war es an der Zeit, das Erste mal monetäre Mittel in unser Projekt fließen zu lassen. Da die Vorstellungen dabei auseinander gingen entstand der erste Krisenherd und es gab lautstarke Diskussionen.

Schließlich wurde sich aber geeinigt.

Wir bekamen den Tipp vom Notar, die Satzung zuerst dem Finanzamt vorzulegen und einen Antrag auf Gemeinnützigkeit zu stellen, der gleichzeitig die Befeiung von der Körperschaftsteuer bedeutet. Falls da nämlich herauskommen sollte das Änderungen zur Anerkennung nötig sind müssten wir die veränderte Satzung nicht neu beglaubigen und eintragen lassen.

Also machten wir es so. 6 Wochen nach dem Antrag, wir hatten unser Projekt gerade mit einem Präsentationsabend Freunden und Familie vorgestellt. kam die Antwort. Leider war diese nicht positiv. Einige unserer Finanzierungsvorstellungen, wir hatten daran echt lange gearbeitet, sollten einem Geschäftsbetrieb gleichkommen oder gar dem Zweck der Satzung nicht entsprechen.

Wir ihr euch vorstellen könnt war das ein absoluter Dämpfer.

Nichtsdestotrotz rafften wir uns zusammen und veränderten unsere Satzung dem Finanzamt entsprechend. Es war mittlerweile Weihnachten.

Bei unserem nächsten Treffen im neuen Jahr wurde dann entschieden, das die veränderte Satzung jetzt erstmal beglaubigt und eingetragen wird, damit wir endlich den Zusatz e.V. erhalten.

Wenig später folgte die nächste Hiobsbotschaft. Auch das Registeramt wollte unsere Satzung nicht anerkennen, da einige Vorhaben und auch wieder die Finanzierungsvorstellungen, in dem Fall das Sponsoring von Firmen, angeblich den Rahmen eines Vereins sprengen würde.

Nach langem hin und her und schlussendlich nach einer tollen Stellungnahme unseres Notars, die leider einige Zeit in Anspruch nahm, wurde unsere Satzung dann doch anerkannt und wir dürfen uns nun e.V. nennen, was uns für Transparenz und Glaubwürdigkeit ganz wichtig ist.

Dafür musste allerdings fasst ein dreiviertel Jahr verstreichen.

Auf die Anerkennung der Gemeinnützigkeit warten wir übrigens immer noch.

Liebe deutsche Behörden, ist es wirklich nötig Menschen die etwas Gutes machen wollen soviel Barrikaden in den Weg zustellen?

Was meint ihr?

Nach Auskunft von Freunden soll es in Italien viel leichter sein einen entsprechenden Verein zu gründen. Und siehe da, in Italien gibt es auch mehr karitative Organisationen und soziales Engagement als in Deutschland.

Das sollte einem doch zu denken geben, oder?

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